"
Die historische Hammerschmiede Vils.

 

.

 

Historisches und Interessantes


Zurück zur Übersicht

28.09.2017

Mit voller Wucht schlugen die Schmiedehämmer auf das rotglühende Eisen. Die Radwerke pochten pausenlos. Beißender Qualm stieg auf, als das fertig getriebene Metall ins Löschwasser getaucht wurde. Das Stampfen der überdimensionalen Holzhämmer wurde von einem beständigen Klappern der drei Mühlräder begleitet. Hinzu kam das Stimmengewirr der Fuhrleute, die mit ihren schwer beladenen Rossen den An- und Abtransport der Metallerzeugnisse durchführten.


1449

Ein Nachhall dieser ohrenbetäubenden Geräuschkulisse scheint heute noch spürbar, wenn man die mittelalterlichen Gemäuer der Vilser Hammerschmiede betritt. Die am Ostrand von Vils gelegene historische Schmiede besticht durch ihren ursprünglichen Charakter. Schmiede, Kohlelager, der Anbau für die drei Wasserräder, die zwei Blasbälge, der Schleifstein und sonstige Gerätschaften sind originalgetreu erhalten. Die Esse ist eine offene Feuerstelle mit Abzug. Sie wurde mit einem Blasebalg mit Luft versorgt, um beim Schmieden die gewünschte Temperatur zu erreichen. Seit den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist das Feuer dort zwar erloschen, aber kaum etwas hat sich seither verändert. Es scheint nahezu so, als ob der Schmiedemeister und die Gesellen soeben ihr Werkzeug beiseite gelegt hätten und gleich wiederkommen würden. Um diese einzigartige Rarität nicht endgültig ihrem Schicksal zu überlassen, beabsichtigt die Gemeindeführung gemeinsam mit den Eigentümern sowie dem Bundesdenkmalamt, der alten Schmiede neues Leben einzuhauchen. Was die Gewerbetreibenden von Vils bereits im Jahr 1986 begonnen haben, soll im Hinblick auf eine behutsame Restaurierung nun seine Fortsetzung finden. Die Funktionstüchtigkeit soll wiederhergestellt und die Schmiede der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. So hätte jeder die Möglichkeit, dieses uralte Handwerk direkt zu erleben – wie anno dazumal.


Waffenschmiede aus dem Mittelalter

Das für die Herstellung erforderliche Eisen wurde aus in der Umgebung abgebautem Eisenerz gewonnen. Auch die verwendete Holzkohle wurde selbst hergestellt. Mehrere Personen waren notwendig, um den Meiler, der bis zu 100 Kubikmeter Holz fasste, fachgerecht zu stapeln und zu verkohlen. Die fertige Kohle kam nach zwei bis drei Wochen in die Kohlhütte, die neben der Hammerschmiede bis heute besteht. Unablässig hielten enorme Blasbälge das Feuer in Gang, während Meister und Gesellen ihr staubiges, rußiges Handwerk verrichteten. Die Schmiede stand in den Diensten der Ritter von Hohenegg (13. bis 17. Jh.) und als keine Schwerter mehr gebraucht wurden, fabrizierte die Schmiede Hämmer, Zangen, Nägel, Schaufeln, Hacken, Sensen Tür- und Rad-Beschläge. Es bedarf spezieller Kenntnisse und besonderer Fertigkeiten, um das Roheisen in optimale Form, Funktion und Haltbarkeit zu bringen. Diese besondere Qualität wusste auch die bayrische Königsfamilie aus dem Haus Wittelsbach zu schätzen. Zwischen 1860 und 1890 besuchten König Maximilian II., Königin Maria und deren beider Söhne, der spätere König Ludwig II. und Prinz Otto, sowie viele weitere Persönlichkeiten des bayerischen Adels die Schmiede und die Bauernfamilie Hartmann im stattlichen Wohnhaus nächst der Schmiede. Auf Wunsch der Königin wurde im ersten Stock des Bauernhauses ein Zimmer zum Übernachten eingerichtet und eigens in den bayerischen Landesfarben Weiß und Blau sowie mit Blumen ausgemalt.


1450

Wenn man sich nun selbst ein Bild des historischen Gebäudes machen will, sollte man sich ihm von Südwesten nähern, um die reizvolle Charakteristik voll und ganz in sich aufnehmen zu können. Als „von besonderer Bedeutung österreichweit“ ist die Schmiede in Vils dokumentiert und als solches ein Zeugnis vom Erfindungsgeist, vom Fleiß und der Handwerkskunst unserer Vorfahren.



Zurück zur Übersicht